Bereits im Bus dorthin bin ich einer älteren Frau begegnet, irgendwo um die 60 wie sie später erzählte, die auch alleine reiste. Sie besucht wohl öfters Kriegsdenkmäler, meinte das australische Kriegsdenkmal in London habe Springbrunnen, durch die es so aussieht, als würde es weinen. Das fand ich trotz meiner Nicht-Verbindung zum Thema eine schöne wenngleich sehr traurige Idee.
Nachdem ich mir die Gedenktafeln, auf denen neben diversen Inschriften kleine Plastikblumen angebracht werden konnten, war ich in der Gedenkhalle. Dazu kommt bei diesem Denkmal noch eine größere Ausstellung, in der die kriegerische Beteiligung Australiens erklärt wird.
Am Ausgang des Museums bin ich noch einmal der Frau aus dem Bus begegnet. Sie hat angefangen, mir ihre Verbindung zu dem ganzen zu erklären. Hilfe, das war wie eine ganz wilde listening comprehension im Englischunterricht, haha. Es ging um so viele verschiedene Personen, Tanten, Onkel, der Vater, der boyfriend from America und den husband und alle schienen ganz ähnliche Namen zu haben wie Tom oder Joe oder so. Wooh. Ich hab echt ne Weile gebraucht, um in das Gespräch reinzufinden. Aber man wusste auch dann sowieso nicht, was man sagen sollte.
So erzählte sie zb davon, dass viele Männer die aus dem Krieg kamen innerlich ganz aggressiv waren und danach ihre Frauen geschlagen haben (also allgemein, keiner den sie kannte jetzt). Manche würden extra rausgehen ein paar mal im Jahr für ein paar Wochen oder was, nur für sich, um das in den Griff zu kriegen und ihre Ehen nicht kaputt zu machen. Andere hätten massive Trinkprobleme mitgebracht und wenn sie anfangen würden alles aufzuarbeiten, kommen die Flashbacks. (Da ging es dann wieder um Joes und Jims und Toms und alle.)
"Ich war in einer Kirche und habe einen Mann getroffen, graue Haare, in meinem Alter, gutaussehend. Er hat geweint und mich gefragt "Was glaubst du, wie viele Menschen ich getötet habe?"" Sie wusste nicht was sie sagen soll. Was sagt man da auch, konnte ich nur zustimmen. Was sagt man da? Sie meinte, sie habe gesagt, er wurde darauf programmiert, genau das zu tun. Und zu mir meinte sie noch: In dem Alter macht man sich dann eben Gedanken über sein Leben, was man gemacht hat etc.
- nun sei Krieg im allgemeinen mal dahingestellt, diese Geschichten haben das Australian War Memorial für mich dann doch nochmal deutlich persönlicher gemacht. Auch wenn ich zum Glück noch immer einigen Abstand dazu habe .. - Jah. Auch so kann Sightseeing ablaufen.
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